Dienstag, 1. September 2009

Wanderwochenende, Klappe II

Nachdem unser Wanderwochenende im Kleinwalsertal im Juli ins Wasser fiel, wollten wir es nochmal wissen! Am letzten Augustwochenende sollte es für Mutti, Vati und mich auf Hüttentour ins Zillertal gehen. Diesmal wollten wir nur fahren, wenn der Wetterbericht gut ist. Naja... für Freitag und Sonntag war er das auch, Samstag war das Wetter sehr wechselhaft angesagt... aber man hofft ja immer auf das Beste und dass sich der Wetterdienst ja auch irren könnte, und so haben wir uns Freitag früh um 6 auf den Weg in die Berge gemacht.

Unser Plan war, am Freitag auf die Berliner Hütte aufzusteigen (ca. 3 Stunden, schön zum Einwandern). Am Samstag sollte es dann über die Scharte zur Greizer Hütte gehen, mit 7 Stunden eine schöne Tagestour. Das ist eine Etappe des Berliner Höhenwegs. Und am Sonntag stand dann der Abstieg von der Greizer Hütte zurück ins Tal an, wieder nur etwa für einen halben Tag.
Soweit der Plan... doch es kam etwas anders.

Am Freitag hat alles gut geklappt. Per Auto und Bus sind wir an unseren Ausgangspunkt auf 1200 m üNN gelangt. Zunächst ging es hinein ins Tal, auf einer relativ langweiligen Forststraße, aber das war schon ok. Es ging allmählich bergauf, immer höher, den Gletscher im Blick - nur die Hütte hat sich lange vor uns versteckt! Das Wetter war super, warm und meist sonnig.
Und weil wir sehr gut in der Zeit lagen, konnten wir, bevor es dann noch eine halbe Stunde steiler zur Hütte hochging, uns noch eine gemütliche Rast am Bach gönnen.
Und hier war sie dann, die Berliner Hütte auf 2042 m:
Die Berliner Hütte ist mit 178 Schlafplätzen eine der größten Hütten und steht sogar unter Denkmalschutz. 1879 gebaut, wurde sie bist 1910 viermal erweitert - kann man sich kaum vorstellen, dass sich das Wandern zu dieser Zeit schon so großer Beliebtheit erfreuen konnte!
Oben genehmigten wir uns erstmal ein Bier/Radler, und ließen den Tag auf der Terrasse ausklingen.

Bei relativ schönem Wetter eingeschlafen, erwartete uns dann früh die Überraschung: Nebel! Die Sicht reichte etwa 20m. Nicht schön zum Wandern, aber wenigstens hat's nicht richtig geregnet, nur so gesprüht, und deshalb haben wir uns trotzdem auf den Weg gemacht. Es ließ sich gut laufen, nur war es unendlich schade dass man überhaupt nichts sehen konnte. Und aus dem Nebel wurde teilweise richtiger Regen, das war ganz schön nervig. Wir waren auch bald innen und außen nass - vom Regen und vom Schwitzen (war ja der Aufstieg).
Nach etwa 2 Stunden, ca. 200 Höhenmeter unter der Scharte, wo wir den Grat überqueren wollten, fing es plötzlich an zu gewittern. Und da wurde uns dann etwas anders. Hoch oben im Gebirge, auf dem Grat, ist das vielleicht keine so gute Idee... Blitzableiter zu spielen, darauf hatten wir keine Lust. Noch 6 andere Wanderer, die auf der selben Tour waren, haben entschlossen, wieder umzukehren. Ungern, aber einsichtig, haben wir uns entschlossen, das selbe zu tun. War aber auch die richtige Entscheidung. Wir wussten, dass uns weiter oben Seilsicherung erwartet (also Seile an den Felsen, an denen man sich festhalten kann), und die sind aus Metall - das ist bei Gewitter sicher auch nicht die beste Idee.
Tja, und so sind wir wieder zur Berliner Hütte abgestiegen und waren mittags zurück. Nachdem wir uns aus unseren nassen Sachen geschält haben und eine heiße Suppe uns wieder Lebensgeist eingehaucht hat (naja, ganz so schlimm war's nicht ;-)), wurde Kriegsrat gehalten. Auf Absteigen hatten wir alle keine Lust, somal der Wetterbericht für Sonntag gutes Wetter versprach. Und so haben wir beschlossen, eine weitere Nacht auf der Hütte zu bleiben, und am nächsten Tag erneut über die Scharte ins Nachbartal zu wandern. Von dort wollten wir dann aber nicht noch zur Greizer Hütte hoch, sondern dann gleich ins Tal absteigen.
Samstag Nachmittag haben wir also auf der Berliner Hütte mit Lesen und Karten spielen verbracht, auch nicht schlecht! :-)

Unser Ausharren wurde schließlich belohnt: Als wir am Sonntag früh halb 7 aufgestanden sind, war keine einzige Wolke am Himmel, und die Sonne schien schon die ersten Gipfel an! Also nix wie los! :-)
Ein letzter Blick auf unsere Unterkunft...
Und dann ging es los, der Sonne entgegen!
Jetzt konnten wir erstmal sehen, was wir am Vortrag verpasst haben, und haben intensiv die wunderschöne Aussicht genossen! Sonnenaufgang auf über 2000 m... das hat man nicht alle Tage! :-)
Unser Ziel war diese Scharte (die Einbuchtung) da oben, wo wir den Gebirgszug überqueren konnten:
Der Weg dorthin war nicht sonderlich schwer oder gefährlich, und so fanden wir uns nach etwa 2,5 Std. auf 2870 m wieder.
Von hier kamen wir... ... und hier ging's weiter.
Nach einer kurzen Rast ging es nun also bergab. Zunächst mit Seilsicherung, aber auch das war nicht besonders gefährlich... sah z.T. schlimmer aus, als es eigentlich war.
Je weiter wir nach unten kamen, desto grüner und wärmer wurde es. Hier ein Blick in das Floitental, an dessem Anfang unser Auto auf uns wartete.
Kurz bevor wir im Tal waren, wartete noch ein Highlight auf uns: Wir mussten eine 5 m lange Leiter, die am Felsen lehnte, runter! Mal was anderes.
Nach 1000 m Abstieg waren wir dann unten im Tal angelangt. Noch schnell rauschendes Wasser überquert...
... und dann ging es wieder eine Forststraße nach vorn.
In den letzten 2 Stunden mussten wir jedoch trotzdem nochmal 900 Höhenmeter nach unten... und diesen langen Abstieg haben wir am nächsten Tag in Waden und Oberschenkeln gemerkt!
An einer Alm wurde noch gerastet und Kaiserschmarr'n geschlemmt... und dann waren wir nach einem langen Tag wieder am Auto.
Hier ein letzter Blick auf den Gletscher am Ende des Floitentals.

Geschafft, aber glücklich, haben wir uns schließlich auf den Heimweg gemacht. Es war ein wunderschönes Wochenende! Auch wenn das Wetter am Sa nicht mitgespielt hat, war es am So umso schöner. Perfektes Wanderwetter- nicht heiß aber warm, wolkenlos und klar. Es war die richtige Entscheidung, am Sa abzubrechen, und die Tour aber am nächsten Tag nachzuholen. Bei Nebel hätten wir nichts davon gehabt, noch dazu wäre es gefährlich gewesen. So konnten wir die traumhafte Landschaft um uns herum genießen. Einfach super! :-)

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