Freitag, 18. September 2009

Andere Länder, andere Sitten

Nachdem ich jetzt schon seit über zwei Wochen in Franreich lebe, möchte ich euch von einigen Dingen erzählen, die mir hier so aufgefallen sind.

- Zuerst fällt mir auf, dass die Leute hier alle viel entspannter sind als in Deutschland. Das meine ich vor allem, wenn es darum geht, etwas zu machen. Mein Vermieter ist ein Paradebeispiel dafür: Sein Lieblingswort lautet "demain" (morgen). Und wenn dann morgen ist - richtig, dann sagt er wieder, dass er das demain machen wird. Und demain kann durchaus eine Woche betragen! Ist für mich als Deutsche, die noch dazu gern schnell ihre Sache erledigt haben möchte, eine Umstellung. Meinen Mitbewohnerinnen fällt dies allerdings auch auf - es ist also nicht nur die deutsche Gründlich- und Pünktlichkeit, die mit dieser relaxten Einstellung kollidiert. Ich muss mich also für ein halbes Jahr in Geduld üben... ist sicherlich auch keine schlechte Sache. Nur ungewohnt! :-)

- Wenn man ein was über Frankreich eingetrichtert bekommt, dann ist es ja: Sie reden nur Französisch, und komm ja nie mit einer anderen Sprache! Doch da hab ich positive Erfahrungen gemacht. Wenn man mit ihnen Französisch spricht, fragen sie doch gern mal, wo man denn her ist, und kramen manchmal ganz stolz ein "Ich spreche ein kleines bisschen Deutsch" hervor, oder antworten auch mal auf Englisch (was nicht immer leicht zu verstehen ist). Klischee widerlegt! :-) (Allerdings geb ich mir auch immer Mühe mit dem Französisch; ich glaub wenn man gleich auf Englisch anfangen würde, wäre die Freude nicht so groß.)

- 3.: Mittagspause. Siesta. Wie auch immer: Von 12 bis 2 schläft die Stadt! Da machen die meisten Geschäfte zu (außer Lidl, Aldi,... ;-)), in der Uni sind die Sekretariate unbesetzt etc. Das passt ein wenig zum ersten Punkt - man muss sich dran gewöhnen, tolerant sein und sich nicht ärgern, dass man jetzt ewig warten muss bis man bekommt, was man braucht... Vielleicht kann ich das in ein paar Wochen! ;-)

-Rendez-vous sind hier total in. Nein, nicht in dem Sinne wie wir das im Deutschen verstehen, sondern wörtlich ünbersetzt: Termine. Man braucht für alles einen Termin - bei der Bank, um ein Konto zu eröffnen, in der Uni, um sich einzuschreiben, und selbst im großen Supermarkt muss man an der Fleisch- oder Käsetheke eine Nummer ziehen.
Allerdings war ich heute etwas "Besonderes" und konnte mich zweimal ohne Termin durchschlagen. Ich war in der Uni, um mich zu immatrikulieren. Im ERASMUS-Amt wurde uns erklärt, wie das Formular auszufüllen ist (was echt super war, sonst hätte ich Tage darüber gebrütet!) und gesagt, welche Unterlagen wir alles benötigen... und damit ging's dann zum anmelden/einschreiben. Da die ganze Prozedur recht lange dauert, hat sich eine ganz schöne Schlage gebildet. Und nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass die Franzosen alle einen Termin hatten, und nur wir ERASMUS-Studenten ohne drankommen durften - wovon die Bearbeiter sichtlich genervt waren. Irgendwann wurde der Vorhang vor der Tür zugezogen und keiner mehr reingelassen... es war schließlich kurz vor 12 (!), und nicht dass noch mehr von diesen ungezogenen, schlecht Französisch sprechenden Ausländern ohne Rendez-vous auftauchen! :-)
Nach der Uni hab ich mich endlich mal zur Bank begeben, um ein Konto zu eröffnen. Ich werde französisches Wohngeld bekommen (eine Art Zuschuss zur Miete vom Staat), und dazu brauch ich das Konto. Mein Vermieter (von dem ich nur noch als "mein Monsieur" spreche, weil ich seinen Namen immer vergesse) hat gemeint, dass ich da unbedingt einen Termin brauch. Aber - ich musste zwar bissl warten, kam dann aber gleich dran! :-) Bald bin ich also im Besitz eines französischen Kontos mit Bankkarte und Online-Banking, ich muss nur noch meinen Mietvertrag einreichen, den mir mein Monsieur letzte Woche kopiert hatte und demain geben wollte! :-D

- Als ich mich heute auf gemacht habe, die Informationen der verschiedenen Studiengänge zu bekommen, um meinen Stundenplan zu erstellen, ist mir auch aufgefallen wie anders hier das ganze Studium aufgebaut ist. Es ist viel verschulter als bei uns! (Und, nebenbei, heißt noch nicht mal Bachelor, obwohl es genau das ist - nein, wir sind in Frankreich, hier heißt das Licence.) Es gibt festgelegte Stundenpläne für jedes Semester. Als ich danach in den Sekretariaten gefragt habe, wurde ich immer gefragt, welches Jahr, und musste erklären, dass ich gern alles hätte, weil ich ERASMUS bin und mir unter allem was aussuchen darf. Jetzt hab ich 7 dicke Studienordnungen und gefühlte 50 Stundenpläne zu Hause, und nehme mir vor, bis Sonntag Abend einen vorläufigen Stundenplan zusammengestellt zu haben.

- Zum Schluss noch etwas persönliches, was mir in letzter Zeit hier aufgefallen ist: Mir fällt es überhaupt nicht schwer, Dinge zu umschreiben, wenn ich die Wörter nicht weiß. Oft fehlen mir zwar auch dafür viele Vokablen, aber so prinzipiell kann ich ganz schnell Umdenken. Ich denke, dass das etwas ist, was mir seit Amerika recht leicht fällt, und ich bin auch froh darüber. Ein Beispiel: Ehe ich überlege, was es heißt "stört dich das?", kann ich einfach sagen "ist es ein Problem, dass...?"

Soviel dazu.
Heute Nachmittag hat die Sonne so schön geschienen, dass ich mich mit einem Buch in den Palmengarten hier ganz in der Nähe gesetzt hab und einfach ein Stück dort war.
Und heut Abend werd ich nochmal in die Stadt gehen und mich mit einigen anderen ausländischen Studenten treffen, freu mich schon drauf und bin gespannt!

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