Freitag, 12. März 2010

Anika goes EU: Exkursion nach Luxemburg und Straßburg

Am Sonntag früh um 8 war Abfahrt für unsere Exkursion nach Trier, Luxemburg und Straßburg, um einige EU-Organe und –Institutionen zu besuchen.

Dank fast leerer und schneefreier Straßen kamen wir bereits nach 8 Stunden in Trier an. Unterwegs fuhren wir durchweg durch schneebedeckte Landschaften. Durch den Schnee und die Sonne sah Deutschland heut um einiges schöner und weniger trostlos aus, als ich das am Dienstag früh auf meiner Heimreise empfunden hatte!

Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen hatten, hieß es, Trier ein wenig zu erkunden. Ich war zwar vor langer Zeit schon mal hier gewesen, aber außer an die Porta Nigra konnte ich mich an nichts erinnern.
Und ich muss gestehen: auch Deutschland kann schön sein! ;-) Hier gibt es ebenfalls schöne bunte Häuser, auch Fachwerkhäuser und andere tolle, alte Bauten. Frankreich ist vorbei, Anika, jetzt genieß halt Deutschland! :-)

Entlang der Mosel im Sonnenschein (aber leider eisiger Kälte) konnte man schön den Nachmittag verbringen. Und die alten Römerbauten (v.a. die Porta Nigra) hatten mich dann (doch) an Nîmes erinnert, das ja ebenfalls von den Römern geprägt wurde.


Am Montag ging es mit dem Bus nach Luxemburg. Hier befindet sich auf dem Kirchberg ein recht neuer und moderner Stadtteil, der fast ausschließlich aus EU-Institutionen besteht - wow! :-)

Als erstes stand ein Besuch beim Rechnungshof auf dem Programm. Ein Pole erklärte uns in fließendem Deutsch dessen Arbeitsweise, es war ganz interessant, aber das wär mal nichts für mich.
(Arbeitssprache: Englisch und Französisch)



Anschließend fuhren wir in die Stadt, um zum Amt für Veröffentlichungen zu gelangen. Dort werden sämtliche Vertragstexte, Infobrochüren etc. publiziert. Im Anschluss daran konnten wir uns bei einem Bummel durch den EU-Bookshop noch eindecken mit kostenlosem Material über die EU. So viel Bildung! :-)
(Arbeitssprache: Französisch und Englisch)



Abgerundet wurde dieser erste Tag vom Besuch der Europäischen Investitionsbank, wo uns ein Slowake in deutsch und englisch einen Vortrag gehalten hat. Am faszinierendsten für mich war die tolle Architektur des erst vor ein paar Jahren fertiggestellten Gebäudes.
(Arbeitssprache: Französisch und Englisch)

Im Anschluss hatten wir noch Zeit, die Altstadt von Luxemburg zu besichtigen. Durch die tiefen Täler, die die Stadt durchziehen, bekommt sie einen ganz besonderen Charme, wirklich schön!
Für mich war es toll, gleich wieder Französisch sprechen zu können, da das eine der 3 Amtssprachen des Landes ist und von jedem beherrscht wird!
es wirkt sehr französisch
Blick auf den Kirchberg


Auch am Dienstag ging es nochmal auf den Kirchberg.
Den Vormittag verbrachten wir im EuGH, dem Gerichtshof der Europäischen Union, wie er seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember 2009 heißt.
Von einer Italienerin und einer polnischen Praktikantin wurden wir, wieder in perfektem Deutsch, durch das erst vor kurzem rennovierte Gebäude geführt.
Außerdem nahmen wir an einer Gerichtsverhandlung der großen Kammer, wo es um ein Vorabentscheidungsersuchen des Bundesverwaltungsgeichts ging, teil.
Das Mittagessen in der Kantine des EuGH rundete den Besuch ab.
(Arbeitssprache: Französisch)

Im Anschluss daran ging es ins Übersetzungszentrum. Die Organe der EU besitzen jeweils eigene Übersetzer, aber hier wird für die EU-Agenturen, den Bürgerbeauftragten und andere übersetzt. Durch mehrere Vorträge erhielten wir einen Einblick in die Arbeitsweise der etwa 100 Übersetzer. Auch dies Erfolgt in fließendem Deutsch, von einem Franzosen, der 6 Sprachen spricht (Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch) sowie aus 2 weiteren Sprachen übersetzen kann (Griechisch und Ungarisch) - unglaublich, oder?!!
(Arbeitssprache: Englisch)

Europa - eine Baustelle

Noch am Dienstag Abend sind wir dann mit dem Bus weiter nach Straßburg gefahren.


Am Mittwoch Vormittag statteten wir dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (kein Organ der EU, sondern des Europarates) einen Besuch ab. In einem Vortrag wurden wir über dessen Arbeitsweise informiert und konnten uns anschließend einen Teil des Gebäudes anschauen.
(Arbeitssprache: Englisch)
der kleine Gerichtssaal
Blick auf das Parlament

Danach ging es nebenan ins Europäische Parlament.
Auch hier wurden wir mit leckerem Essen begrüßt, sprachen anschließend mit zwei deutschen Parlamentariern und konnten schließlich an einer Sitzung teilnehmen.
Es war mal interessant, so einen Einblick in die Arbeitsweise des Parlaments zu bekommen.
(Arbeitssprache in den Ausschüssen und Delegationen: Englisch)

Am Abend hatten wir Gelegenheit, die Altstadt von Straßburg zu besichtigen. Sie ist wunderschön, und die Zeit war viel zu kurz, aber hier werd ich auf jeden Fall nochmal wiederkommen!


Den Abschluss bildete am Donnerstag Morgen der Besuch beim Europäischen Bürgerbeauftragten, an den sich jeder Unionsbürger mit Problemen bei der Verwaltung der Institutionen etc. wenden kann.
(Arbeitssprache: Englisch)

Blick auf den Europarat

Anschließend machten wir uns wieder auf die Heimfahrt.

Für mich war es sehr interessant, durch die Besuche einen besseren Einblick in die Arbeitsweise der Organe und Institutionen zu bekommen, und auch mal Fragen stellen zu können, die einem keine Bücher oder der Prof beantworten kann.
Mit Herrn Niedobitek und Herrn Hesse hatten wir zwei klasse Exkursionsleiter, und so war auch die Stimmung während der 5 Tage super.

Nachbemerkung:
Ich habe einen Schwerpunkt auf die Sprache gelegt. Irgendwie war es das, was mich bei der Exkursion mit am meisten fasziniert hat... Leute zu treffen, die fließend so viele Sprachen sprechen können!
Außerdem war ich fast ein bisschen erschrocken, welch großen Stellenwert das Französisch als zweit- oder gar wichtigste Arbeitssprache hat. (In den Organen herrscht zwar Mehrsprachigkeit mit allen aktuell 23 Amtssprachen der EU, aber die Arbeitssprachen sind zur internen Verständigung und leichterer Zusammenarbeit wichtig.)
Das hat mich jedoch nur bestätigt in meiner Entscheidung, mein Französisch zu verbessern. Der ERASMUS-Aufenthalt in Perpignan war dabei jedoch nur der Anfang, ich muss unbedingt nochmal nach Frankreich, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern und vielleicht irgendwann zu perfektionieren.

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